Zur Startseite:www.berliner-gartentisch.de

Inhalt

CityTrees = Stadt-Bäume oder Statt-Bäume oder ...?

Stand der Bearbeitung: 24.3.2017
Zuletzt bearbeitet: 13.4.2017




Am S-Bahnhof Südkreuz in Berlin-Schöneberg, unweit des Euref-Campus, wo die Firma eine Zweigstelle zur Bedienung des weltweiten Marktes eröffnet hat, findet sich ein Exemplar der hochgelobten Super-Feinstaub-Schlucker. Sie sollen die Filterleistung von BIS ZU 275 Bäumen haben. Das "bis zu" wird leider meistens vergessen anzugeben, wenn eine Lobeshymne auf den Baum-Ersatz? angestimmt wird.

In diesem Beitrag werden die Leistungen des CityTree und der Stadtbäume sowie Moose gegenüberstellt und abgewogen, wer welche und wieviele Leistungen bringt. Daraus könnte sich ein Resümee ergeben.

Zurück zum Seitenanfang



Inhalt

Zurück zum Seitenanfang



Eigendarstellung der Erfinder

Die Webseitenbetreiber machen als erstes auf die Ursache der Luftverschmutzung visualisiert aufmerksam:

In Entwicklung ist ein Projekt, das die Verschmutzung des Straßenverkehrs visualisiert.

Die Lösung besteht aus einer "einzigartigen Kombination aus Internet of Things (IoT / Internet der Dinge) und Pflanzen" (Abgebildet sind rechte und linke Hand mit Smartphone und einem Büschel heimischem Moos, verbunden durch ein Plus(+)-Zeichen)

Auf ihrer Webseite versprechen die Projektentwickler Peter Sänger, Dénes Honus, Zhengliang Wu und Victor Splittgerber (Gartenbau/Biologie, Architektur, Maschinenbau und Informatik) Grundlage: http://greencitysolutions.de/ (Green City Solutions / GCS)

Kommentar: Die Zahlen sind beeindruckend, nur kann ich keine Bezugsgröße erkennen. Ich rätsel, ob es sich um weltweite Zahlen handelt und auf welcher Quellengrundlage sie beruhen. Es folgen Referenzen von der AOK Plus, Unanimiter Constanter Oslo und DLD/CeBIT, denen sich Auszeichnungen wie Landmark in the land of Ideas 2015, Kultur- und Kreativpiloten Deutschland sowie EYA 2016 anschließen.
Danach stellen sich die vier führenden Unternehmer des Teams als "eine einzigartige Kombination!" und unter anderem ihr Netzwerk aus zum Beispiel TU Dresden, Microsoft, Amazon und Samsung dar. Weiterhin werden Fotos der grünen Stadtmöbel in verschiedenen Städten gezeigt und eine Zeitskala zur Entwicklung des Unternehmens, das 2014 gestartet ist, präsentiert. Gefeiert wird es immer im Zusammenhang mit Digitalisierung bzw. digitalisierter Stadt.

Kommentar - Vor allem beeindruckt mich die professionelle Vermarktung der Idee. - Dreckige Luft ist ein globales Problem, Smog kostet Milliarden. Mit klugen Ideen für saubere Luft lässt sich viel Geld verdienen. Das geniale Konzept einer deutschen Firma steht vor dem Durchbruch.01 - Das Projekt, das die Verschmutzung des Straßenverkehrs visualisiert, heißt "Aircare" und steht kurz vor der Veröffentlichung: Die Open Data-Plattform ist in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union entstanden und soll die Luftverschmutzung, die durch den Straßenverkehr entsteht, visualisieren. Ende August soll das Tool auf der Homepage [der CityTree-Unternehmer] veröffentlicht werden.03

Zurück zum Seitenanfang



Informationen zum CityTree

Zurück zum Seitenanfang



Ergänzende Informationen zum CityTree - ökologischer Fußabdruck von Stahl und Plastik

In der in dieser Arbeit zugrunde gelegten Literatur wird nur davon gesprochen, dass es sich beim CityTree um einen Metallkörper handelt. Meines Erachtens handelt es sich um einen Stahlkörper. Die Moose sind in Plastikeinheiten in Trägergerüsten untergebracht. Die Technik selbst enthält seltene Metalle und Erden.



**Stahl - Wie gut ist der ökologische Fußabdruck von Stahl?
  • Für die Erzeugung von 1 Kilogramm Stahl, müssen der Erde durchschnittlich acht Kilo Gestein und fossile Brennstoffe entnommen werden.
  • Die Herstellung einer Tonne Stahl braucht 8.300 Kilowattstunden (kWh) Primärenergie.
  • Die Stahlproduktion verursacht große Mengen giftiger Abwässer.
  • Stahlproduktion geht mit riesigem Kohleverbrauch einher. Die Luftverschmutzung ist enorm.
  • Nickel wird zur Stahlveredelung verwendet. Nickelproduktion schädigt die Umgebung der Hüttenwerke in weitem Umkreis.
  • Riesige Mengen Wasser werden für die Herstellung von Stahl verbraucht.

  • Quelle (überwiegend): http://www.oekosystem-erde.de/html/rohstoffe.html
Kommentar:

In erzeugten Produkten stecken etwa 93 Prozent Abfall. Beim Abbau der Rohstoffe entsteht Abraum; für den Transport und die Verarbeitung wird Energie verbraucht, für deren Erzeugung wiederum Brennstoffe. Die Luftverschmutzung ist erheblich. Der Wasserverbrauch enorm. Auch Hilfsstoffe tragen zur Umweltverschmutzung bei.

Kann man unter solchen Umständen behaupten, für effektive Luftreinigung zu sorgen?


*Plastik - Wie umwelt- und naturfreundlich ist Plastik?
6 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich ins Meer. Dort haben sie eine Verweildauer:
  • Plastiktüten: 1 - 20 Jahre
  • aufgeschäumte Plastikbecher / Weißblechdosen: 50 Jahre
  • Aluminiumdosen: 200 Jahre
  • Einwegwindeln / Plastikflaschen: 450 Jahre
  • Angelschnüre: 600 Jahre
Wo sind die Plastiktöpfchen anzusiedeln, wo die Kabelummantelungen, die Verbindungsschläuche? Zwischen Einwegwindeln und Angelschnüren, also zwischen 450 und 600 Jahre, ehe sie in feinste Teile zerfallen sind? Plastik ist nicht biologisch abbaubar, sondern wird als "Plankton" von Meerestieren aufgenommen, die daran verhungern - oder, wenn die Plastikteile größer sind, ersticken können. Da Menschen, die kein Plastik essen, das Ende der Nahrungskette bilden, nehmen sie diese über ihre Kost Plastik auf. Nahezu alle Menschen haben Plastik im Blut - auch Vegetarier.


Zurück zum Seitenanfang



Verbreitung der CityTrees laut unten stehendem Quellenverzeichnis

Inland
Berlin, Südkreuz, Marlene-Dietrich-Platz
Dresden, Neumarkt, Frauenkirche
Hannover
Jena, Ernst-Abb-Platz
Klingenthal
München
Stuttgart, Neckartor (100 Meter lange Mooswand, 558.000 Euro)


Ausland
Hongkong, Wan Chai. Aufstellung im Mai 201701
Oslo [ab Oktober 2015 zweijährige Testphase für zwei Fragen:
1. Werden die Mooswände von den Menschen angenommen?
2. Ist die Pflanzenzusammenstellung den meteorologischen Gegebenheiten angepasst?09]
Paris, Place de la Nation

Zurück zum Seitenanfang



Filterleistungen der CityTrees

Ort: km2 Anzahl Citytrees Leistung pro Citytree Preis für die Anschaffung
Dresden, Neumarkt: 0,34 km2 8 42,5 m2 112.000 Euro bis 200.000 Euro
Hongkong: 1104 km2 2500 441,6 m2 35 Millionen Euro bis 62,5 Millionen Euro
Berlin-Mitte05, komplett: 39,47 km2 116 340,25 m2 1,624 Millionen Euro bis 2,9 Millionen Euro
Berlin-Mitte05, ohne Moabit und Wedding: 22,52 km2 116 194,13 m2 1,624 Millionen Euro bis 2,9 Millionen Euro
Stuttgart, Neckartor: 100 Meter CityTrees = bei 30 m Straßenbreite circa 3 km2 circa 33 Mooswände 90,91 m2 558.000 Euro07

Ein CityTree reinigt eine Fläche von 50 x 50 x 50 Meter von Luftschadstoffen.01

Diese Aussage lässt sich aufgrund der obigen Ergebnisse nicht verifizieren. Aussagen zur Filterwirkung können erst gemacht werden, wenn genügend Daten vorliegen12, sagt der Botaniker Martin Nebel, Moos-Experte des Staatlichen Naturkundemuseums in Stuttgart, der vor etlichen Jahren auch die Idee zu der Mooswand hatte.

Kommentar des Lesers PaAllgZ vom 09.03.201707
Die Effektivität derartiger "Weltuntergangs-Verzögerungs-Technologien" ist psychologischer Natur!
Man muss sich nur die Dimensionen vor Augen führen:
In einer 30m breiten Straßenschlucht [Stuttgart, Neckartor] weht ein feintaubbelasteter Luftstrom mit 1m/sec - das sind je nach Straßenbreite rund 30 m3 Luft pro Sekunde.
Eine Mooswand hat eine Grenzschicht von ca. 1-2 cm, auf der eine große Oberfläche mit 23 Quadratmeter Vegetationsfläche ausgebildet wird.
Steht die Mooswand parallel zum Luftstrom, so wird nur ein 1-2 cm dicker Teil des Luftstroms "ausgekämmt", der Hauptstrom von 29,98 Metern strömt vorbei..
Offensichtlich ist die Mooswand eine "zu weit vom End-of-the-Pipe" entfernt, um noch Wirkung zu erzielen.

Zurück zum Seitenanfang



Moos und seine Leistungen, u.a. das für den CityTree verwendete

Im Allgemeinen sind Moose genügsam und haben eine hohe Trockenheitstoleranz, was ihnen die Erstbesiedlung von Pionierstandorten wie Felsen und Mauern ermöglicht. Möglicherweise spielen sie hier eine wichtige Rolle bei der Bodenbildung.

Regenwasser wird über die gesamte Oberfläche aufgenommen und in und zwischen den Zellen der Moose sowie im Kapillarbereich zwischen den Blättern, Stämmchen und Pflanzen gespeichert. Dieses wird nur langsam durch Verdunstung wieder abgegeben. Durch die Verdunstungskühle und die Luftfeuchtigkeit haben sie einen wesentlichen Einfluss auf das Mikroklima und wirken ausgleichend.

In Hochmooren sind Torfmoose (verschiedene Sphagnum-Arten) die wichtigsten Torfbildner. Torfmoose haben ein extremes Wasserspeichervermögen, das bis zum 20fachen ihres Trockengewichts reichen kann.

Viele Moosarten zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Trockenheitstoleranz aus. In Trockenwüsten können sie bis 14 Jahre in lufttrockenem Zustand überdauern. Moose halten auch extreme Temperaturen aus, nämlich Tiefstwerten von minus 30 Grad Celsius oder tiefer, wie sie im Hochgebirge oder der Antarktis vorkommen, oder Bodentemperaturen bis plus 70 Grad Celsius an sonnenexponierten Standorten. Der Lichtbedarf von vielen Moosen ist gering, so dass diese auch bei wenig Tageslicht wachsen können. So können sie auch in dichten, dunklen Wäldern sowie in Höhlen und großen Wassertiefen gedeihen.

Auch wenn Moose in allen Biotopen der Erde vorkommen, so liegt doch ihr Hauptverbreitungsgebiet in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit. Dies sind in unseren Breiten Wälder und Moore.



Der Wissenschaftler forscht derzeit an einem Testelement, das bereits im November an der vielbefahrenen sechsspurigen Straße Neckartor aufgestellt worden war und ein Feinstaub-Hotspot ist. Erstes Ergebnis: Ohne Bewässerung geht es nicht. Nur mit genügend Wasser erfüllt das Moos seine erwartete Funktion, nämlich den Feinstaub der Luft zu reduzieren. Im Sommer soll die Wand mit einem Beschattungsflies vor zu viel Sonne geschützt werden.

Aussagen zur Filterwirkung können erst gemacht werden, wenn genügend Daten vorliegen.12

Zurück zum Seitenanfang



Bäume und ihre Leistungen